Das erste Smart-Meter-Gateway (SMGW) ist zertifiziert, der Rollout startet – und das SMGW entwickelt sich zur Datendrehscheibe für das Smart Building und Smart Home.

Oswald Maurer und Wolfgang Esch von Weptech sowie Ingo Schönberg von PPC erklären im Interview mit Markt&Technik, was das für das Smart Metering bedeutet.

Markt&Technik: Das Smart-Meter-Gateway von PPC hat jetzt die Zertifizierung erhalten; Weptech, mit der PPC in der Fertigung zusammenarbeitet, kann nun mit der Produktion starten. Wie schnell kann das gehen?

Ingo Schönberg, Geschäftsführer von PPC: Wir können jetzt von Null auf Hundert durchstarten und die Mengen an SMGWs liefern, die die Kunden ordern. Wir sind vorbereitet, das ist eine sehr angenehme Situation.

Mit welchen Mengen rechnen Sie?

Schönberg: Wir haben einen Auftragsbestand von ca. 70.000 SMGWs. Für kommendes Jahr erwarten wir weitere 100.000 Geräte.

Zunächst ist ja die Zertifizierung nur für das SMGW von PPC abgeschlossen. Für die offizielle Markterklärung wären zwei weitere Anbieter erforderlich. Erst dann kann der Rollout doch richtig losgehen.

Schönberg: Das ist die Voraussetzung, dass alle grundzuständigen Messstellenbetreiber mit dem Rollout beginnen müssen.

Wann ist das voraussichtlich?

Schönberg: Wahrscheinlich klappt es nicht mehr in diesem Quartal; ich hoffe, dass sie im zweiten Quartal erfolgt. Dann kann der Rollout auch auf der Ebene der nach Gesetz verpflichteten MSB (Messstellenbetreiber, Anmerkung der Red.) strukturiert losgehen.

Und was passiert bis dahin?

Schönberg: Die wettbewerblichen Messstellenbetreiber können ja jetzt bereits ausrollen und auch die grundzuständigen MSB nutzen die Zeit, um den Hochlauf zu beginnen. Wettbewerbliche wollen ja neben der Messung des Strom- und Gasverbrauchs auch Bündelservices anbieten. Wir sind im jetzigen Stadium also nicht auf die grundzuständigen Messstellenbetreiber angewiesen. Die Nachfrage kommt von Anbietern wie z.B. E.ON, die sich schon sehr früh im Wettbewerb positionieren wollen und nun mit den ersten zertifizierten SMGWs loslegen können.

Kann Weptech mit den plötzlich auftretenden Bestellungen fertig werden?

Oswald Maurer, Geschäftsführer von Weptech: Wir haben uns ja schon seit viereinhalb Jahren darauf vorbereiten können. Mitte 2013 haben wir begonnen, das Konzept vorzubereiten, um überhaupt erst einmal die Voraussetzungen dafür zu schaffen, unsere Produktion zertifizierbar zu machen.

Worin bestanden die Herausforderungen?

Maurer: Wir fertigen einen Mix von Produkten. Die Auflagen aus der sicheren Fertigung dürfen also unsere übrige Produktion nicht belasten. Nachdem unser Ausgangskonzept stand, haben wir 2014 mit dem BSI die Machbarkeit besprochen und sind in die Umsetzung gegangen. Und nach viereinhalb Jahren haben wir nun das Zertifikat erhalten.

Das heißt, es war eine gewisse Durststrecke zu überstehen?

Maurer: Ja, wenn auch glücklicherweise nur eine kurze: Das letzte Audit wurde im Juni 2018 abgeschlossen, wir haben uns auf die Serienfertigung vorbereitet und uns das erforderliche Material gesichert, sodass wir aus dem Lager heraus produzieren können. Vor allem haben wir auch die entsprechenden Mitarbeiter eingestellt und trainiert. Anfang Herbst sollte es losgehen. Auf der European Utility Week 2018 in Wien sollte eigentlich das Startsignal erfolgen, aber wir haben dann leider noch etwas länger gebraucht.

Schönberg: Was nicht ganz ungewöhnlich in einem neuen Gebiet ist und für Pioniere wie uns auch nicht ganz neu. Da können auf der Zielgeraden die „letzten drei Monate“ auch mal neun Monate dauern, weil dann doch noch ein paar Anpassungen durchzuführen und u.a. 4000 Testfälle mehrfach iterativ zu durchlaufen sind.

Maurer: Was für uns dann bedeutete, dass wir uns auf eine weitere Verzögerung einzustellen hatten. Der Zeitraum hat sich dann glücklicherweise als nur kurz herausgestellt, denn im Dezember kam dann endlich die Zertifizierung.

Schönberg: Was, wie schon angedeutet, auch seine positive Seite hat, weil wir jetzt keinen Kunden enttäuschen müssen, sondern Weptech die Produktion sofort hochfahren und die gewünschten Stückzahlen liefern kann. Das zeigt, dass sich mit PPC und Weptech zwei agile Partner gefunden haben, die gerne die Pionierrolle einnehmen und auf sich ändernde Bedingungen schnell reagieren können. Es zeigt auch, dass gerade in der Welt der Digitalisierung Geschwindigkeit Größe schlägt. Deshalb sind wir froh, für die Fertigung einen Partner gefunden zu haben, der gleich tickt wie wir.

Maurer: Genau, was die sichere Fertigung angeht, ist Weptech als zertifizierter Dienstleister sicherlich ein Pionier auf diesem Gebiet – und zwar mit voller Absicht. Denn wir können nicht warten, bis die großen, weltweit tätigen Unternehmen sich des Themas annehmen, sondern wir müssen die ersten sein, die den Markt besetzen. Würden wir zu spät einsteigen, wären wir im wettbewerbsintensiven Markt chancenlos.

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